Crowdmanagement

Wer mich kennt, weiß, dass das Thema eine Herzensangelegenheit ist. Aktuell starten wieder diverse Festivals und Open Air Events, so dass ich das gerne zum Anlass nehmen möchte, euch heute etwas mehr zu diesem Thema zu schreiben.

Leider ist es noch immer so, dass bei vielen Ausbildungen in der Eventbranche, dass Thema gar nicht oder nur stiefmütterlich behandelt wird. Das Desaster der Loveparade in Duisburg hat zwar viele wach gerüttelt, wenn ich mir so einige Events und Ausbildungspläne ansehe, hat das bei weitem nicht gereicht, wie traurig. Es gibt nicht mal einen deutschen Begriff dafür. Man könnte es vielleicht „Publikums-Sicherheits-Management“ nennen, oder so ähnlich. Auch darf jeder bei uns in Deutschland Veranstaltungen durchführen und Sicherheitskonzepte schreiben, die sobald sie der Versammlungsstättenverordnung, dem Brandschutz etc gerecht werden, gerne auch von den Behörden abgenickt werden, die ja auch keine Ausbildung als Crowdmanager haben.

Aber die Psychologie der Massen ist ganz anders, als die eines klar und in Ruhe denkenden Menschen. Und genau das muss man bei der Gestaltung von Events, bei den Fluchtwegen etc. berücksichtigen. Und zwar nicht nur vor dem Event, sondern auch während des Events! Die Bewegung und Versammlung von Menschen, insbesondere bei Großereignissen, muss kontinuierlich beobachtet werden.

Ich gebe zu, als ich vor ca. 15 Jahren Event Management studierte, gab es das Thema auf meinem Lehrplan auch nicht. Es waren die eigenen, negativen Erfahrungen als Besucherin von Events, die mich diesem Thema näher widmen ließen. Und es gab kaum Seminare, Informationsmaterial etc. In England gab es ein Studium „Crowd & Safety Management“, was mir leider nicht möglich war. So besuchte ich Vorträge von Absolventen dieses Studienganges, beschaffte mir deren Literatur etc. Ich las selbst das Buch „Die Psychologie der Massen“ von Gustave LeBon, welches eigentlich gar nicht mit Veranstaltungsmanagement zu tun hat, sondern vielmehr damit, wie Revolutionen zustande kommen, wie sich Menschen einem Führer unterstellen und ihr Gefühl für moralisches Handeln verlieren usw. Nichtsdestotrotz kann man daraus auch viele Rückschlüsse auf die Psychologie von Massen bei Veranstaltungen ziehen.

Schablonen, erlaubte Personen pro Quadratmeter, Anzahl der Ausgänge etc. sind nette Grundlagen, aber sollten keineswegs der Maßstab für jede Veranstaltung sein. Die gleiche Personenzahl kann sich ungeordnet ganz anders darstellen als geordnet. Veranstaltungen sind dynamisch und jede Veranstaltung ist anders.

Heute ist vieles einfacher, sollte man meinen. Und dennoch verlasse ich ab und an eine Veranstaltung, weil ich einfach sehe, dass ich da evtl. nicht mehr heil rauskomme, sobald etwas passiert. Übertrieben? Vielleicht. Ich weiß auch, dass sich nicht jeder einen Crowdmanager leisten kann, erst recht bei kleineren Events mit ein paar Tausend Besuchern. Ich möchte jedoch an euren Verstand appellieren, euch mit dem Thema näher zu befassen, eure Veranstaltungspläne zu überprüfen und auch vor Ort immer ein wachsames Auge zu haben. Informationen zum Thema und ab und an auch Schulungen gibt es z.B. beimEVVCdem Europäischen Verband der Veranstaltugns-Centren e.V.