Qualitätsanspruch PR

Ich möchte mit diesem Blogbeitrag nicht politisch werden, aber die aktuelle Lage nach den Anschlägen in Paris und die Berichterstattung in einigen Medien lassen mir die Haare zu Berge stehen. Aus diesem Grund möchte ich mich heute dem Thema „Qualitätsanspruch in der PR“ widmen.

Ich glaube gerne, dass man mit gewissen, reißerischen Texten und Aussagen, mit Inhalten, die Angst schüren, mehr Zeitungen verkauft, als mit einem sachlichen und gut recherchierten Text. Ja, ich weiß auch, dass es vielen Zeitungen nicht gut geht und sie verkaufen müssen. Aber so? Wo bleibt der Anspruch, die Qualität, das Versprechen an gut recherchierte Texte?

Und ich meine damit nicht eine Zeitung, sondern diverse Zeitungen! Da werden Moslems und der IS auf eine Stufe gestellt, alle Flüchtlinge sind potentielle Täter usw. Mal ehrlich, wer setzt sein Kind auf ein unsicheres Boot im Mittelmeer mit der hohen Gefahr zu sterben, wenn er eine andere Chance sehen würde? Und wer dieser Journalisten war schon mal in Syrien? Wer war überhaupt von denen in den arabischen Ländern und hat sich mit dem Islam beschäftigt? Wer von denen will das überhaupt? Ich war in Syrien und auch oft in den arabischen Ländern. Ja, es passieren furchtbare Dinge dort. Aber man kann doch nicht alle über einen Kamm scheren.

Als Journalistin habe ich eine freiwillige Selbstverpflichtung, mich an journalistisch-ethische Grundregeln zu halten. Ich würde nie einen Bericht zu einem Thema schreiben, wenn ich nicht alle Seiten vorab gehört habe und dazu recherchiert habe. Ja, ich weiß, vielen Journalisten fehlt die Zeit dazu, kann ich verstehen. Aber kann das noch gute PR sein, wie es jetzt bei einigen Medien läuft?

Zeitungen waren einmal seriöse Quellen, denen die Leser vertraut haben. Journalisten haben sich ethisch sauberes Verhalten im Rahmen des Pressekodex auf die Fahnen geschrieben. Nur zur Erinnerung, dazu gehören „Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“, „Sorgfalt“ oder auch „Schutz der Ehre“. Keine Frage, was alles schon passiert ist, ist furchtbar. Und es muss darüber berichtet werden, doch die Frage ist wie. Ich möchte in diesem Zusammenhang daher einmal an den Verstand aller – der Journalisten und Leser – appellieren, nicht alles zu glauben, was da steht und genau zu Differenzieren.